Holocaust-Gedenken: Teilnahme an der Namenslesung vor der Kreuzkirche

70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sind die Ereignisse des Jahres 1945 in allen Medien präsent. Am 11. April haben ehemalige Gefangene auf dem Ettersberg an die Befreiung des NS-Lagers Buchenwald erinnert und damit auch an die Erlösung tausender Häftlinge von ihren täglichen Qualen und Todesängsten. Schon drei Monate früher hatten am 27. Januar 1945 alliierte Truppen den Massenmord in Auschwitz beendet, weshalb dieser Tag seit fast zwanzig Jahren in Deutschland offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Christlichen Schule haben sich an diesem Tag zur Kreuzkirche aufgemacht, um sich daran aktiv zu beteiligen.

Wie jedes Jahr waren dort schon am Vormittag die Türen des Kirchencafés offen, um sich der Geschichte der Dresdner Opfer zu widmen. Dazu zählten sowohl Juden als auch Sinti und Roma sowie Kinder von Zwangsarbeiterinnen, welche die NS-Herrschaft nicht überlebten. Unter der Führung Hitlers hat die nationalsozialistische Ideologie zwischen 1941 bis 1945 etwa sechs Millionen europäischen Juden das Leben genommen. In der Mittagszeit des 27. Januar werden in einer öffentlichen und frei zugänglichen Veranstaltung alljährlich mehrere Stunden lang aus dem sogenannten „Buch der Erinnerung“ etwa 2000 Namen verlesen von Menschen verlesen, auf Grundlage der Rassengesetze verfolgt, in ‚Konzentrationslager‘ wie Auschwitz oder Thereseienstadt deportiert und dort ermordet worden waren, die aus Angst vor der Deportation Suizid begingen oder seit der Deportation vermisst werden.

Da wir als Christliche Schule dieses Ereignis als sehr wichtig ansehen und denken, dass man die Namen der Opfer nie vergessen sollte, haben sich auch die Schüler der 11. Klasse an der Namenlesung beteiligt. Viele der Schüler stellten sich an, um neben der Gedenktafel an der Kreuzkirche mehrere Namen vorzulesen und so an eine Zeit voll Ausgrenzung, Verzweiflung und Leid zu erinnern.

Nach der Lesung haben sich einige von uns noch einmal mit der Geschichte der Erinnerungstafel an der Kreuzkirche beschäftigt. Der Text gibt Auskunft über die Zahl der Verstorbenen und beschreibt, wie die Bevölkerung sich verhielt: „Und wir erkannten in ihnen unsere Brüder und Schwestern nicht“. Damit wird verdeutlicht, dass auch Menschen mit jüdischem Glauben und jüdischer Herkunft zu unserer Gemeinschaft gehörten bzw. gehören und auch damals Menschen waren wie alle anderen. Dessen war man sich jedoch damals nicht bewusst, was bis heute auf internationaler Ebene den Ruf Deutschlands prägt. Aus diesem Grund gedenken wir heute auch „in Scham und Trauer“ der Holocaust-Opfer.

Wir, die Jahrgangsstufe 11, sind der Meinung, dass man sich mit dem Holocaust auseinandersetzen sollte. Nur so kann man solche Katastrophen in Zukunft verhindern. Die Geschichte muss präsent sein, um aus Fehlern zu lernen und sich für eine friedlichere und tolerante Welt einzusetzen.

Um die Opfer des Holocaust in Dresden zu verewigen, wurden in ganz Dresden Stolpersteine verlegt. Diese sind einer bestimmten Person gewidmet und haben die Funktion, sozusagen darüber zu „stolpern“. Die Steine sind absichtlich direkt auf häufig begangenen Fußwegen oder Straßen platziert und vielleicht stolpert ja der ein oder andere von euch mal darüber!

Karl Weinhold (11)